Ex-Mediendirektor warnt UEFA vor "Fiasko" im FIFA-Machtkampf
Der Europäischen Fußball-Union (UEFA) läuft im Machtkampf mit Präsident Gianni Infantino aus Sicht des früheren FIFA-Mediendirektors Guido Tognoni die Zeit davon. "Die UEFA hat im Moment einfach an Tempo verloren. Das muss man sagen", sagte Tognoni der ARD-Sportschau. "Und wenn sie jetzt nicht bald an Tempo zunehmen, dann könnte das Ganze noch in einem Fiasko enden."
Nach der Council-Sitzung in der Vorwoche hatte die FIFA bestätigt, dass den Mitgliedsverbänden im nächsten Vierjahreszyklus jeweils rund 25 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt werden sollen - und damit mehr als doppelt so viel wie bisher. Auf seiner Wahlkampftour könne Infantino derzeit "einen Vorsprung herausholen", ergänzte der ehemalige FIFA-Mitarbeiter Tognoni. "Er kann den Mercedes-Katalog mitbringen für die Präsidenten, damit sie wissen, was sie mit dem Geld anfangen sollen."
Infantino strebt beim Kongress im März 2027 in Rabat/Marokko seine Wiederwahl an; die Unterstützung aus Afrika, Südamerika, Ozeanien und großen Teilen Asiens scheint ihm sicher. Die UEFA fordert seit der gescheiterten Investorenidee den Rückzug des Schweizers. Einen Gegenkandidaten gibt es bislang nicht, die Europäer haben einzig ihre Kriterien für eine mögliche Alternative an der FIFA-Spitze benannt.
Am 18. November endet die Nominierungsfrist. UEFA-Chef Aleksander Ceferin hatte eine Kandidatur ausgeschlossen, auch der Katarer Nasser Al-Khelaifi steht nicht zur Verfügung. Dies gilt laut Medienberichten auch für Victor Montagliani, Chef des Verbandes für Nord- und Mittelamerika und die Karibik (CONCACAF). Zuletzt fielen die Namen des früheren Arsenal-Trainers und heutigen FIFA-Direktors Arsène Wenger oder von Michele Kang, milliardenschwere Investorin im Frauenfußball.
"Es gibt Leute, die schon die Ambitionen haben, aber die geben das nicht zu, weil sie Angst haben, dass sie verlieren", sagte Tognoni. Er warnte davor, dass es zu Infantinos Wiederwahl kommen könnte, ohne dass es zu den von der UEFA geforderten grundlegenden FIFA-Reformen komme.
Y.Wagener--LiLuX